Der Milde-Effekt

Die Führungskraft ist bei der Beurteilung sehr milde gestimmt und vergibt in der Mehrzahl gute Bewertungen. Sie will den Mitarbeitern nicht "weh tun"; sie bewertet mehr die Anstrengungsbereitschaft als die konkreten Arbeitsleistungen; sie befürchtet Motivationseinbußen bei realistischer Beurteilung. Sie will als eine "positiv denkende" Führungskraft erscheinen und die "Freundschaft" mit den Untergebenen pflegen.

Denkanstoß

 

"Wenn wir die Menschen nur nehmen wie sie sind,
so machen wir sie schlechter;
wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten,
so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind".
Johann Wolfgang Goethe

Hier liegt sicherlich der wesentliche Grund, warum nahezu allen Mitarbeitern in vielen Behörden / Betrieben "überdurchschnittliche Leistungen" in den Beurteilungen bescheinigt werden. Die Milde-Tendenz besiegt zuweilen sogar die Logik.


In einigen Richtlinien legen "Richtwertvorgaben" fest, dass die Spitzennoten nur begrenzt vergeben werden dürfen. So wird versucht, zu realistischen und differenzierteren Beurteilungsmaßstäben zu gelangen. (Ob die einzelne Beurteilung hierdurch gerechter wird, sei dahin gestellt).

Andere Beurteilungsvordrucke betreiben selbst bereits die verbale Schönfärberei. In dem Beurteilungsvordruck eines großen Konzerns erhält die Beurteilungsskala nur die Bewertungen:

* hervorragend
* sehr gut
* gut
* verbesserungsfähig

Die letztere Bewertungsstufe wird nur sehr selten vergeben, nahezu alle Mitarbeiter/innen sind damit mindestens "gut". Der Gedanke - Wir beschäftigen nur ausgewählte, "gute" Mitarbeiter - ist Teil des Unternehmens-Selbstverständnisses.

Denkanstoß

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