Die Selbstillusion und die Auswirkungen auf die Beurteilungspraxis

Die Kriterien vieler dienstlicher Beurteilungen (Potentialbeurteilungen) bestehen aus solchen Eigenschaftseinschätzungen. Günstigenfalls im Beurteilungsvorgespräch, aber spätestens bei der Eröffnung werden Selbst- und Fremdeinschätzung miteinander konfrontiert. Die Selbstwahrnehmung der eigenen Person geschieht nach anderen psychologischen Gesetzmäßigkeiten als die Fremdwahrnehmung.

Der Beurteiler ist gezwungen, seine Mitarbeiter miteinander zu vergleichen und - häufig nach vorgegebenen Richtwerten - überdurchschnittliche, durchschnittliche, unterdurchschnittliche Bewertungen auszusprechen.

Der Mitarbeiter vermag sich dabei kaum - aufgrund des Rosa-Brille-Effekts - selbst auf dieser Skala realistisch einzuordnen.

Diskrepanzen zwischen Selbst- und Fremdeinschätzungen sollten im Beurteilungsverfahren nicht als individuelles Versagen charakterisiert werden. Der Beurteiler, aber auch der Beurteilte sollten sich stets der Subjektivität der Urteile bewusst sein, insbesondere solange diese sich nicht mit "harten" Zahlen begründen lassen. Charakterisierung von Urteilen als "falsch" und "richtig" oder die Abwertung des Selbsturteils mit den Worten "Da überschätzen Sie sich aber erheblich" sind der Sache nicht angemessen.

Denkanstoß

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