Erweiterung des Attributionsmodells: innere und äußere Verhaltensursachen

Das menschliche Verhalten wird stets sowohl von situativen Umweltfaktoren als auch von personeninternen Faktoren beeinflusst - so eine der Grundannahmen der Psychologie.

Wenn wir Verhalten und Erfolge / Misserfolge auf Ursachen zurückführen, dann sind bestimmte Tendenzen erkennbar, welche Ursachen wir hinter dem eigenen oder fremden Verhalten bevorzugt vermuten. Man spricht auch von Fehler- oder Verzerrungstendenzen in der Ursachenzuschreibung (Attribution).

Erinnern Sie sich an das Beispiel? Sie haben ein kleines Phonodiktat verfasst. Sie geben Herrn Schmitz die Kassette mit der Bitte, den Text als Serienbrief abzuschreiben. Als sie den Brief unterschreiben wollen, merken Sie, dass der Text viele Rechtschreibfehler und Sinnfehler erhält.


Wir nehmen dieses Ergebnis nicht nur zur Kenntnis, wir vermuten zugleich Ursachen dahinter.

1. "Herr Schmitz hat eine Rechtschreibschwäche!" (überdauernde, kurzfristig nicht änderbare Fähigkeiten)

2. "Herr Schmitz hat sich nicht angestrengt" (kurzfristig, persönlich beeinflussbar)

Aber vielleicht liegt es ja gar nicht an Herrn Schmitz, sondern an äußeren Umständen. Gemäß der Attributionspsychologie werden weitere Ursachen hierfür mit in Erwägung gezogen:

3. "Das Phonodiktat, mit dem Herrn Schmitz beauftragt wurde, ist sehr schwierig gewesen. Möglicherweise fehlten auch Hilfsmittel oder die Rechtschreibprüfung ist im Computersystem nicht installiert" (äußere Ursachen, die eher konstant sind).

4. "Herr Schmitz hat Pech gehabt. Irgendetwas Unvorhersehbares hat ihn abgelenkt" (äußere Ursache, die variabel ist).

Der Psychologe Weiner hat die 4 möglichen Ursachen des Verhaltens in einem Schema erfasst.

Allgemeines Attributions-Schema Übertragen auf den obigen Beispielfall

 

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