Klebe-Effekt

Wer einmal eine gute Note erreichte, behält diese!

oder

Wer längere Zeit nicht befördert wurde, bei dem wird pauschal weiterhin unterstellt, dass seine Leistungen sich nicht positiv entwickelt haben.

Jeder Mitarbeiter hat eine Beurteilungsgeschichte, die in aktuelle Beurteilungen hineinwirkt - auch wenn in vielen Vorgaben es ausdrücklich heißt: "Die Beurteilungen sind unabhängig von den vorausgegangenen Beurteilungen zu erstellen".

Der Mitarbeiter kennt seine letzten Beurteilungen und reagiert insbesondere auf eine Verschlechterung der Bewertungen mit Abwehr und Verärgerung. Aus Angst hiervor orientiert sich der Beurteiler zuerst einmal an vergangenen Beurteilungen.

Eine einmal erfolgte Leistungseinschätzung bleibt so an der Person kleben, auch dann, wenn sie sachlich nicht mehr zutreffend ist.

Die Psychologen sprechen auch von dem Status-quo-Effekt. ("Status-quo" bedeutet lateinisch bestehender Zustand). Die Tendenz, am Status quo festzuhalten und ihn nicht zu hinterfragen, ist in vielen Experimenten der psychologischen Entscheidungstheorie nachgewiesen worden.

Beispiele 1: Wir erben Aktien eines Unternehmens, die wir uns nie selbst gekauft hätten. Statt sie sofort zu verkaufen, behalten die meisten Menschen diese Aktien.


Beispiel 2: In einer Gruppe wurden nach dem Zufallsprinzip zwei etwa gleichwertige Geschenke verteilt - die eine Hälfte erhielt einen Becher, die andere Hälfte erhielt eine Tafel Schweizer Schokolade. Den Versuchspersonen wurde angeboten, ihr Geschenk umzutauschen. Nur 10 % aller Beschenkten machten hiervon Gebrauch. Das Festhalten am Status quo dominierte, obwohl der erst wenige Minuten vorher geschaffen worden war (vgl.: Hammond, John S. u. a)

Wir halten am Status quo fest, weil davon abweichen heißt: handeln, sich neu entscheiden, Verantwortung übernehmen und ggf. Konflikte aushalten. Und eben dies meiden wir, wo wir nur können - auch bei der Personalbeurteilung!

 

Denkanstoß

 

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